Schach-Philosophie mit Maria Manakowa

Spiegel online versucht sich wieder mal als Schach-Berichterstatter. Offenbar ist dem Leiter des Moskauer Spiegel Büros, Matthias Schepp, auf einer Party eine junge Frau über den Weg gelaufen, die ihm gleich Avancen machte, er könne ihr mal an die Figuren gehen. Herausgekommen ist ein nurmehr »philosophisch« zu nennendes Interview:

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, Schach- und Liebesspiel ähneln sich. Inwiefern?

Maria Manakowa: Beides beruht auf der Magie zwischen Menschen. Schach, Liebe und Sex gründen auf intensiven, sich vertiefenden, sich verflüchtigenden Beziehungen. Eine Kommunikation ohne Worte. So wie Liebende verstehen sich auch Schachspieler ohne miteinander zu reden.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist das so?

Manakowa: Das ist Intuition. Sie ist die Basis einer Liebesbeziehung. Und sie spielt beim Schach eine große Rolle. Ich mache einen Zug und egal wie brillant ich als Schachspielerin bin, kann ich nicht über eine endlose Anzahl von künftigen Zügen ausrechnen, was weiter passiert. Aber ich fühle, was passieren wird. Ich spüre, wie sich alles weiterentwickeln wird.

Aussagen dieser Art erreichen nicht einmal jenes Niveau, das bereits vor über zweihundert Jahren Jean Paul wie folgt charakterisierte:

Ich berufe mich auf ihre zwei verschiedenen Wege, nichts zu sagen. Der erste ist der des Parallelismus, auf welchem Reinhold, Schiller und andere ebensooft auch Systeme darstellen; man hält nämlich den Gegenstand, anstatt ihn absolut zu konstruieren, an irgendeinen zweiten (in unserm Falle Dichtkunst etwa an Philosophie, oder an bildende und zeichnende Künste) und vergleicht willkürliche Merkmale so unnütz hin und her, als es z. B. sein würde, wenn man von der Tanzkunst durch die Vergleichung mit der Fechtkunst einige Begriffe beibringen wollte und deswegen bemerkte, die eine rege mehr die Füße, die andere mehr die Arme, jene sich nur mehr in krummen, diese mehr in geraden Linien, jene für, diese gegen einen Menschen etc. Ins Unendliche reichen diese Vergleichungen, und am Ende ist man nicht einmal beim Anfange.

Ein Kommentar zu “Schach-Philosophie mit Maria Manakowa”

  1. Connie

    gut gebrüllt, Löwe!